Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis
Ausschreibung des Else Lasker-Schüler-Dramatikpreises und der -Stückepreise des Pfalztheaters Kaiserslautern im Auftrag des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz
Einsendeschluss: 31. Mai 2025
Im Auftrag des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz schreibt das Pfalztheater Kaiserslautern den Else Lasker-Schüler-Preis 2026 zur Förderung des deutschsprachigen Dramas aus.
Der Preis ist in zwei Kategorien unterteilt:
Der Dramatikpreis, die mit € 10.000 dotierte Dramatikerauszeichnung, wird von der Jury für ein vorliegendes Gesamtwerk vergeben. Hierzu sind keine Bewerbungen möglich.
Für die Stückepreise zur Förderung neuer Talente können bis zum 31. Mai 2025 Bewerbungen eingereicht werden.
Der Stückepreis wird in drei Preisstufen vergeben. Der erste Preis ist mit 5.000 Euro dotiert, das prämierte Stück wird am Pfalztheater Kaiserslautern uraufgeführt.
Das Preisgeld für den zweiten Stückepreis beträgt 3.000 Euro und kann auf Wunsch auch als dreimonatiges Aufenthaltsstipendium am Pfalztheater ausgezahlt werden.
Der dritte Stückepreis wird mit 2.000 Euro honoriert.
Der Jury gehören an:
Esther Boldt (Autorin und Theaterkritikerin), Meike Klingenberg (ZDFkultur/3sat), Prof. Dr. Franziska Schößler (Universität Trier), Ulrich Khuon und Markus Dietze (Intendant des Theaters Koblenz).
Vorsitzender der Jury ist Daniel Böhm (Künstlerischer Direktor des Pfalztheaters).
Die öffentliche Preisverleihung wird im März 2026 im Rahmen der Eröffnung der 4. Theatertage Rheinland-Pfalz in Koblenz stattfinden.
Teilnahmebedingungen für den Stückepreis
Pro Autor/pro Autorin kann nur ein Theaterstück in deutscher Sprache eingereicht werden.
Das Stück darf noch nicht uraufgeführt sein.
Die Einreichungen (Stück plus Kurzbiografie) sind in digitaler Form (pdf oder word)
ab sofort an das Pfalztheater Kaiserslautern zu senden:info@pfalztheater.bv-pfalz.de – Betreff: Stückepreis.


Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis 2026 an Maria Milisavljević
Die 1982 in Arnsberg geborene Autorin Maria Milisavljević erhält den Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis 2026. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird vom Pfalztheater Kaiserslautern im Auftrag des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz sowie der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur verliehen. Neben dem Dramatikpreis werden drei Stückepreise vergeben. Die Juryentscheidung trafen Esther Boldt, Meike Klingenberg, Franziska Schößler, Ulrich Khuon, Markus Dietze und Daniel Böhm (Vorsitz).
In ihren Stücken untersucht Maria Milisavljević mit großer sprachlicher Präzision die Erfahrungen von Gewalt, Missachtung und Unterdrückung, insbesondere aus weiblicher Perspektive. Ihre Texte verbinden poetische Verdichtung mit genauer Alltagsbeobachtung. Milisavljević weicht der Wirklichkeit nicht aus, sondern vertieft sie, legt in konkreten Situationen archaische Muster frei und entwirft zugleich Gegenbilder von Empathie, Solidarität und Gemeinsinn. Exemplarisch dafür stehen Stücke wie „Brandung“, in dem eine Gruppe das Verschwinden einer jungen Frau nicht hinnehmen will, „Beben“, das dem Terror das radikale Prinzip der Liebe entgegensetzt, sowie „Staubfrau“, in dem drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen das Schweigen über erfahrene Gewalt brechen. Ihre Arbeiten spiegeln Erfahrungen aus London, Toronto und Deutschland wider und vereinen unterschiedliche Theatererfahrungen zu einem Schreiben von großer Dringlichkeit und Schärfe.
Der 1. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2026, dotiert mit 5.000 Euro, geht an Fayer Koch für „Herz-Emoji, Bizeps“. Das ebenso komische wie erschütternde Stück erzählt die Geschichte von Max, einem jungen Mann zwischen feministischer Überzeugung und der Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit. In digitalen Männerforen sucht er Halt, doch Selbstoptimierung verwandelt sich schnell in Zwänge, Scham und innere Konflikte. Fayer Koch zeigt mit großer sprachlicher Präzision wie digitale Männerforen diese Unsicherheiten in toxische Erzählungen verwandeln. Die Muster von NoFap über Incel-Subkulturen bis Red-Pill-Ideologien erscheinen als scheinbar einfache Antworten auf komplexe Verletzungen, die persönliche Krisen in politische Radikalisierungsräume verschieben und eine wachsende Gefahr für eine offene Gesellschaft darstellen.
Der 2. Stückepreis in Höhe von 3.000 Euro wird Lamin Leroy Gibba für „Doppeltreppe zum Wald“ verliehen. In seinem (Anti-)Konversationsstück begegnen sich neun schwarze Personen in einem geschützten Raum und sprechen über Alltagserfahrungen, Rassismus, Trauma und die Suche nach Gemeinschaft in der Gegenwart. Bei aller Tragweite der Themen vertiefen sich die neun in nichts. Ihr fortlaufendes Geplapper gleicht vielmehr einem Chat im analogen Raum. Autor, Schauspieler und Regisseur Lamin Leroy Gibba gelingt mit „Doppeltreppe zum Wald“ ein dichtes, mitreißendes (Anti-)Konversationsstück, dessen Figuren ihre Plastizität gerade aus der Knappheit ihrer Repliken gewinnen, aus dem, was bloß angerissen wird und dem, was ungesagt bleibt.
Den 3. Stückepreis, dotiert mit 2.000 Euro, erhält Levi Roderich Kuhr für „FRITZ – Der Komödie erster Teil“. Das Stück ist ein kraftvoller Kommentar zur gesellschaftlichen Gegenwart, in ihrer Überforderung durch globale Krisen, Fragmentierung in digitaler Dauerpräsenz und ihrer existenziellen Erschöpfung. Im Zentrum steht ein junger Autor, der an sich, seiner Kunst und der Welt verzweifelt – und eine Gottfigur, die selbst mit ihrer Schöpfung hadert. Levi Roderich Kuhr gelingt es mit diesem Stück, die psychische und soziale Erschöpfung einer Generation zu artikulieren, die zwischen Sinnsuche und Systemkritik taumelt. Er trifft mit sprachlicher Brillanz und stream-of-consciousness-Stil den Nerv der Zeit und verwandelt das Stück in einen Spiegel gesellschaftlicher Befindlichkeiten.
Alle Preise wurden am 14. März 2026 im Rahmen der Eröffnung der »Theatertage Rheinland-Pfalz« am Theater Koblenz verliehen.

Else Lasker-Schüler-Dramatikpreis-Chronik
Im Februar 1993 wurde zum ersten Mal der »Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis« (seit 2022 »Dramatikpreis«) verliehen. Erste Preisträgerin war Kerstin Specht. Sie wurde ausgezeichnet für ihr Stück »Mond auf dem Rücken«.
Der Dramatikpreis wurde von Pfalztheater-Intendant Pavel Fieber und der rheinland-pfälzischen Kultusministerin Dr. Rose Götte ins Leben gerufen. Er wird vom Pfalztheater Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur ausgelobt (bis 2022; Ausschreibung 2024 »im Auftrag des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration«).
Sinn und Zweck ist die Förderung der deutschsprachigen Dramatik. Der Hauptpreis wurde mit DM 30.000 (jetzt 10.000 Euro) dotiert. Gleichzeitig wurde ein Nachwuchs-Förderpreis in Höhe von DM 5000 vergeben (erster Preisträger: Michael Roes für »Cham«). Das Pfalztheater Kaiserslautern hat auf alle Preisträgerstücke die Uraufführungsoption.
Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt. Die Ausschreibungs-organisation liegt bei der Öffentlichkeitsarbeit des Pfalztheaters.
Die Jury setzt sich aus fünf Personen aus Forschung und Lehre, Feuilleton und Theater zusammen – die Juroren der ersten Ausschreibung: Frau Prof. Dr. Erika Fischer-Lichte (damals Uni Mainz), Prof. Dr. Anke Roeder (damals Uni München), Gerhard Jörder (damals Leiter des Feuilletons der Badischen Zeitung Freiburg), Dr. Klaus Pierwoß (damals Generalintendant Theater Bremen) und Prof. Dr. C. Bernd Sucher (Feuilleton Süddeutsche Zeitung). Vorsitzender der Jury (zunächst ohne Stimmrecht, seit 2014 mit Stimmrecht) ist der Intendant/die Intendantin des Pfalztheaters.
Für die Preisverleihung 1999 wurde die Zusammensetzung des Preises verändert. Der Dramatikerpreis wird seither für ein vorliegendes dramatisches Gesamtwerk verliehen (ohne Uraufführungsoption). Die Dotierung des Stückepreises (ehemals Förderpreis) wurde auf DM 10.000 (jetzt 5.000 Euro) erhöht.
Die Uraufführungsoption des Pfalztheaters besteht für das ausgezeichnete Werk des Stückepreisträgers. Es besteht die Möglichkeit einer gleichzeitigen Uraufführung an einem anderen Theater.
2014 wurden die Preisregularien erneut geändert. Es gibt nun einen ersten (5000 Euro), zweiten (3000 Euro) und dritten Stückepreis (2000 Euro). Der 1. Stückepreis ist mit einer Uraufführung am Pfalztheater verbunden.
Ebenfalls 2014 kehrte die Preisverleihungszeremonie ins Pfalztheater zurück.
Seit den »1. Theatertagen Rheinland-Pfalz« 2020 in Kaiserslautern ist die Verleihung mit der Eröffnung der Theatertage gekoppelt, findet also immer im jeweils das Festival ausrichtenden rheinland-pfälzischen Theater statt.
Der »Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis« ist einer der höchstdotierten Dramatikerpreise Deutschlands.
Die Preisträger:innen im Überblick
1993
Kerstin Specht »Mond auf dem Rücken« (UA)
(Förderpreis: Michael Roes »Cham«)
1995
Harald Kislinger »Höllenschlund« (UA)
(Kein Förderpreis)
1997
geteilt: Volker Lüdecke »Darja« (UA)
und Werner Fritsch »Höllensturz: Es gibt keine Sünde im Süden des Herzens« (Förderpreis: Roland Schimmelpfennig »Fisch um Fisch«)
1999
Rainald Goetz (Dramatikerpreis)
Steffen Kopetzky (Stückepreis)
2001
Einar Schleef (Dramatikerpreis, posthum)
Dirk Dobbrow (Stückepreis)
2003
Elfriede Jelinek (Dramatikerpreis)
Claudius Lünstedt (Stückepreis)
2005
Dea Loher (Dramatikerpreis)
Torsten Buchsteiner (Stückepreis)
2008
Fritz Kater (Dramatikerpreis)
Almut Baumgarten (Stückepreis)
2010
Roland Schimmelpfennig (Dramatikerpreis)
Azar Mortazavi / Achim Stegmüller (Stückepreis)
2012
René Pollesch (Dramatikerpreis)
Nina Büttner (Stückepreis)
2014
Peter Handke (Dramatikerpreis)
Thomas Köck, Bonn Park, Sophie Nikolitsch (Stückepreise)
2016
Sibylle Berg (Dramatikerpreis)
Maria Milisavljevic, Nina Ender, Stephan Roiss (Stückepreise)
2018
2018 Ewald Palmetshofer (Dramatikerpreis)
Nele Stuhler, Leon Engler, Philippe Heuler (Stückepreise)
2020
Felicia Zeller (Dramatikerpreis)
Caren Jeß, Leon Ospald, Magdalena Schrefel (Stückepreise)
2022
Kathrin Röggla (Dramatikpreis)
Ariane Koch, Patty Kim Hamilton, Svenja Viola Bungarten (Stückepreise)
2024
Wolfram Lotz (Dramatikpreis)
Deborah von Wartburg, Hanna Valentina Röhrich, Felix Krakau (Stückepreise)
Aktuelle Zusammensetzung der Jury:
Prof. Dr. Franziska Schößler
Professorin für Neuere deutsche Literatur-Schwerpunkt Theaterwissenschaft, Universität Trier
Meike Klingenberg
ZDF/3sat
Esther Boldt
Autorin und Theaterkritikerin
Ulrich Khuon
Interimsintendant Schauspielhaus Zürich
Markus Dietze
Intendant Theater Koblenz – als Ausrichter der Theatertage 2026
Daniel Böhm
Künstlerischer Direktor Pfalztheater und Vorsitzender der Jury