Klassenzimmerstück nach HEINRICH VON KLEIST
Als der Pferdehändler Michael Kohlhaas vom mächtigen Junker Wenzel von Tronka betrogen wird, fordert er sein Recht ein – doch anstatt Gerechtigkeit zu finden, sieht er sich mit einer korrupten Obrigkeit konfrontiert. Was als Streben nach Gerechtigkeit beginnt, entwickelt sich schnell zu einem unaufhaltsamen Rachefeldzug, der Kohlhaas’ Menschlichkeit und Moral zerstört.
Die Frage nach Gerechtigkeit begegnet uns fast täglich: in den Nachrichten, in der Schule, innerhalb der Familie und im Freundeskreis. Neben großen (welt-)politischen Entscheidungen erscheinen uns auch im eigenen Mikrokosmos Entscheidungen unfair. Hat nicht jede:r das Recht und die Pflicht, das Wort zu ergreifen und sich für »das Gute« einzusetzen, wie es etwa Klima-akitivist:innen tun? Bei einer vermeintlich ungerechtfertigt schlechten Note muss ich doch Widerspruch einlegen können? Und die Entscheidung der Eltern, dass ich schon um 23 Uhr zuhause sein muss, muss doch verhandelbar sein?
Was passiert, wenn man sich im Recht fühlt, aber der Staat, die Schule, die Eltern nicht reagieren? Wie weit würde jede:r Einzelne von uns gehen, um gehört zu werden?
Die Figur Michael Kohlhaas bietet eine starke Vorlage, um über Themen wie Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit zu diskutieren und darüber nachzudenken, welche Gefahren entstehen, wenn diese Werte nicht mehr respektiert werden. Das Stück zeigt: Einfache Antworten auf komplizierte Fragen gibt es nicht.
ab 13 Jahren
Interessierte Lehrer:innen erhalten schon vor der Premiere einen Einblick in die Produktion:
Sichtprobe | Fr. 16.01.2026 | 18:00 Uhr | Eintritt frei (Anmeldung erforderlich)
Sie möchtet dieses Klassenzimmerstück zu sich in die Schule holen? Wenden Sie sich für Beratung und Buchung an Katja Scheithauer. (k.scheithauer@pfalztheater.bv-pfalz.de oder Tel. 0631 3675 220)
Die Rheinpfalz
23. Januar 2026, Reiner Henn
»[…] Premierenerfolg im aktuellen Klassenzimmerstück […]
Die Inszenierung von Ramón Jeronimo Wirtz (brachte) die angedeuteten Konflikte sehr gut auf den Punkt. […] Mit zunehmender Dauer steigerte sich der vom nüchternen Betrachter und eher neutralen Erzähler sich wandelnde Darsteller (Stefan Migge) in die Rolle des Betroffenen, identifizierte sich völlig mit diesem, steigerte sich in Rage und löste so zunehmend im Zustrom auf die Klimax der Handlung und Dramatik immer mehr Spannung und Beklommenheit aus.
Eine rege Beteiligung und Interaktion zwischen Darsteller und Schülern nahm den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft auf, entwickelte Lösungsmodelle und auch emotionale Betroffenheit. […] Geschickt brachten die Pädagogen und Theatermacher die nachfolgende Diskussion auf die Kardinalfragen: Wie reagiert man angemessen auf Machtmissbrauch, wie weit darf gesellschaftlicher und persönlicher Widerstand gehen, um nicht die weltliche und göttliche Ordnung (personifiziert durch den angerufenen Luther) gänzlich zu gefährden?«